Rückblick
Zurück aus Südamerika
Benito unser Wohnmobil ist leergeräumt, die mankei-tour zu Ende.
Nach vier Jahren Ausnahmezustand geht es zurück in das "normale" Leben.
Unser Haus wird wieder eingeräumt, der etwas verwilderte Garten
ausgelichtet. Wir nehmen alte, fast vergessene Gewohnheiten wieder auf.
Noch hat all das Vertraute den Reiz des Neuen.
Ich bin dann wieder arbeiten
Schön dass es so schnell geklappt hat! Schon vier Wochen nach der
Rückkehr aus Südamerika beginnt mein erster Arbeitstag. Er findet in
der gleichen
Firma statt, in der wir vor 2 1/2 Jahren Ausstand gefeiert
hatten. Es scheint als ob die Zeit stehen geblieben ist
und einigen Kollegen, denen ich auf dem Flur begegne, ist es
wahrscheinlich gar nicht aufgefallen, dass ich mal "kurz weg" war.
Auch mein Einsatzgebiet erscheint zunächst unverändert: Ich werde als
IT-Berater bei einem grossen Müncher Automobilhersteller eingesetzt. In
einer mir gut vertrauten Abteilung wird an einem riesigen Projekt
gearbeitet, an dessen Realisierung eine internationale
Unternehmensberatung maßgeblich beteiligt ist. Die smarten Berater,
alle
im dunklen Maßanzug, sind in einem Großraumbüro untergebracht.
Es herrscht Platznot, jeweils zwei Mitarbeiter müssen sich einen
Schreibtisch teilen. Genau hier soll auch ich arbeiten und finde nach
einer Weile einen "halben" Schreibtisch. Es piepsen Handys, auf
unzähligen Laptops wird emsig getippt. Wo sind die Wüsten
geblieben, wo die Weite des Meeres? Mein Tischnachbar begrüßt mich und
fragt wo ich bisher tätig war:
>>Ich
war über zwei Jahre
in einem Wohnmobil in Amerika unterwegs<<
>>Ach ja,
cool. Das mußt Du mir
mal bei Gelegenheit erzählen<<
Nie wieder hat er mich zu diesem Thema angesprochen.
Ich begreife schnell, dass
die grosse Reise, die mich immer noch bewegt, hier auf keinerlei
Interesse stößt. Auch weil ich zunächst keine klar definierte
Aufgabe
habe,
fällt es mir schwer von nun ab täglich in dieses Umfeld zurückzukehren.
Alltag
Beinahe alles ist wie früher. Die
Wohnungseinrichtung, die Fahrt zur
Arbeit, die Vorfreude aufs Wochenende. Wir treffen Freunde,
Eltern und
Kollegen. Sogar die selbe Putzfrau kommt, wie schon immer üblich, am
Mittwoch Nachmittag. Zu Beginn vergeht kein Tag, an dem wir nicht an
die
Erlebnisse der Amerikadurchquerung zurückdenken: Beim Betrachten der
Fotos, schneiden der Filme oder beim Erzählen von Reiseerlebnissen an
den langen Winterabenden am Küchentisch.
Auch wenn die Routine immer mehr die
Oberhand gewinnt, so richtig
abfinden wollen wir uns mit dem Alltag nicht. "Es sind ja nur
noch vier bis
sechs Jahre bis zur nächsten grossen Reise",
versuchen wir uns gegenseitig zu motivieren, wenn die grauen Wintertage
zu
sehr aufs Gemüt drücken. Ein abstrakt langer Zeitraum, den wir
mehr und mehr verkürzen...
Immer wieder treffen wir Reisefreunde, sowohl auf privaten Einladungen
als auch bei Globetrottertreffen. Ganz besonders gross ist die Freude
diejenigen wiedersehen, mit denen man gemeinsame Reiseerlebnisse hatte.
Endlich jemand, der versteht, wie schwierig die Rückkehr in den Alltag
ist. Endlich jemand den die Erzählungen von Wüsten und Urwäldern
interessieren und der selbst Interessantes zu erzählen weiß. Diesen
Leuten fühlen wir uns zugehörig!

Heiligenstadt Treffen

Därr Treffen
Benito unser Expeditionsmobil hat es nicht besser getroffen. Zwar steht
er wohlbehütet in einer Scheune, doch wir glauben auch er vermisst
holprige
Strassen und Wasserdurchfahrten. Zu selten darf er raus in die Freiheit
und dann geht es "nur" auf ein Globtrottertreffen oder eine dreiwöchige
Urlaubsfahrt nach Frankreich.
Es dauert fast ein Jahr, bis wir uns endgültig damit abgefunden haben
wieder hier zu leben und zu arbeiten.
Über
der mankei-tour hängen immer
mehr die Nebel der
Vergangenheit. Doch allmählich wird eine neue Idee geboren und die wird
auch
Benito gefallen...