Träume verwirklichen
"Lass uns wieder auf Reisen gehen, schon
nächstes
Jahr"
Wieder einmal fällt der Entschluss am
Küchentisch beim
Abendessen. Silvias spontaner Vorschlag
"nur noch
ein Jahr zu arbeiten" löst bei mir Freude und
Erleichterung aus. Sie will auch! Endlich ein Zeitpunkt, der
greifbar
ist!
So in etwa verabschieden sich unsere Freunde, wenn zu einer Fernreise
aufbrechen:
>>Wir
verbringen diesen Winter in Marokko<<
>>Bald gehts zurück nach
Südamerika<<
>>Wenn
es in Afrika nur nicht so heiß wäre<<
Wenn sie dann unseren Neid bemerken, versuchen
sie zu trösten:
>>Bei euch ist es ja
auch in paar Jahren wieder so weit, bis dahin schicken wir unsere
Reiseberichte<<
Mindestens für fünf Jahre wollten wir eigentlich in Deutschland
arbeiten und
sparsam leben. Erst dann sollte es, ohne Zeitbegrenzung, wieder "auf
Tour" gehen. Diesen Zeitraum hatten wir schon mehrfach verkürzt, doch
jetzt ist es konkret: Der Start in das "neue Leben" wird im
Frühjahr 2010 stattfinden, zwei Jahre früher als geplant.
Die Skepsis überwiegt
Die Ankündigung unserer zweijährigen Amerikareise hat bei Freunden,
Kollegen und unseren Familien zwar einiges Aufsehen erregt, aber meist
sind wir auf positive Reaktionen getroffen.
Aber nun das: Endgültig
das Arbeiten aufhören, ohne Limit reisen, alles aufgeben?
Diesmal
blicken wir meist in skeptische, stirnrunzelnde Gesichter. So
richtig
versteht das wohl niemand. Wie könnt ihr das finanzieren? Fehlt euch da
nicht die Bestätigung im Berufsleben? Ihr könnt doch nicht das schöne
Haus verkaufen! Wie stellt ihr euch das nur vor?
Wie stellen wir uns das alles vor?
Ganz knapp gesagt:
"Wir werden unsere Jobs kündigen, das
Haus verkaufen und dann irgendwo
wohnen, wo es schön und günstig ist. Von dieser Basis aus werden wir
vor allem Reisen in alle Welt unternehmen."
Ein wenig detaillierter:
Als "Dinks" (
Double
Income,
No
Kid
s) mit gut bezahlten Jobs, führten
wir ein meist einfaches Leben ohne viel Luxus. Da wir zudem ein wenig
geerbt haben und ein glückliches Händchen bei der
Kapitalanlage hatten, begannen wir zu rechnen. Das Ergebnis:
Finanzkrise (wir schreiben das Jahr 2009) hin oder her, das
Ersparte sollte reichen, um auch ohne berufliche Tätigkeit leben zu
können (den
Ausdruck Rente mit 50 will ich vermeiden). Bietet sich jedoch die
Gelegenheit für einen Job (z. B. auf einer Gästefarm in
Afrika),
so werden wir diese wahrnehmen. Aber eben ohne Zwang.
Auf unserer Reise "Mit dem eigenen Wohnmobil durch Amerika" haben wir
viele Erfahrungen gesammelt. Diese Art zu reisen entspricht uns, so
wollen wir auch künftig unterwegs sein. Aber wir haben auch erkannt,
dass wir nicht ohne Pause unterwegs sein können. Irgendwann ereilt uns
eine gewisse Reisemüdigkeit und dann wird es Zeit Erlebtes zu
verarbeiten.
Deshalb wollen wir eine Basis, hier in Deutschland, haben. Der
Bayerische Wald ist eine landschaftlich schöne Gegend, nahe an unseren
Wurzeln. Ein Stück Heimat, wo es sich obendrein günstig leben lässt.
Deshalb verkaufen wir unser Haus in München und ziehen
dorthin um.
Die Basis für unterwegs ist unser bewährtes Expeditionsmobil
"Benito". Mit ihm soll es in Etappen um die ganze Welt gehen.
Sehr langsam werden wir unterwegs sein, immer wieder auch zu Fuß, mit
dem Fahrrad oder einem Kanu.
Auch weiterhin wollen wir möglichst professionelle Reportagen von
unseren Reisen erstellen und diese verkaufen. Das bedeutet viel
Arbeit, sowohl unterwegs beim Fotografieren und Filmen als auch später
im "Studio".
Langweilig, wie manche unserer Freunde befürchten, wird uns ganz sicher
nicht.
So soll alles anfangen
Lange haben wir überlegt, wie wir den Übergang vom Arbeitsleben in die
Welterfahrung gestalten sollen. Der Eintritt in das neue Leben soll
bewußt und ohne Hektik erfolgen. Wir wollen Zeit zum Nachdenken über
Vergangenes und Muße für zukünftige Pläne haben. Viele Menschen
unternehmen am Beginn solch neuer Lebensphasen eine Wallfahrt, oft nach
Santiago de Compostella. Das haben wir auch überlegt,
uns dann aber für eine Reise entlang zweier Flüsse entschieden: Mit den
Fahrrädern soll es vom Isarursprung zum Schwarzen Meer gehen.
Nach dieser zwei- bis dreimonatigen "Ouvertüre" wollen wir uns in
der neuen Heimat, dem
Bayerischen Wald, ein wenig einleben.
Eine Reise in den Wintermonaten durch Westeuropa und nach Nordafrika
soll dann auch dazu dienen,
die Pläne für die nächste große Expedition konkreter werden zu lassen.
Vermutlich wird uns die durch Afrika führen.
So, nur noch
wenige Wochen, dann geht es los. Die Vorfreude ist jedenfalls
jetzt schon da!